Ich bin wütend! Deshalb sticke ich!


SS 2021

Studierende

Tara Allinger


Projektbetreuung

Prof. Katharina Hinsberg


Studiengänge

Freie Kunst


Projektart

Bachelor

Tara Allinger. Ich bin wütend! Deshalb sticke ich ! Bachelor 2021, Freie Kunst

Diese Arbeit beleuchtet meine Gedankengänge über das Thema weibliche Wut von sozialen, geschlechtsspezifischen und persönlichen Blickwinkeln. Ich will wissen, wieso viele Frauen sich nicht trauen oder sich schämen, wütend zu sein und Wut auszuleben. Mich interessiert, wieso Wutausbrüche, Aggressionen und Brüllen als männliche Eigenschaften gedacht werden und wie wir Frauen lernen können, Wut zu zeigen, ohne diese Gesten nachahmen zu müssen. Wut will Veränderung und wenn man gehört werden möchte, muss man laut sein. Das geht auch ohne Brüllen.

Mit meinen Teppichen möchte ich Art-Aktivismus betreiben. Ich denke über Dinge, die mich wütend machen nach, lese über sie, schreibe über sie und verarbeite diese Themen in meinen abstrakten Textilwerken. Das Medium der Textilkunst ist stark mit der Hausfrau verbunden, die unentgeltliche Arbeit leistet und altmodische, dekorative Handarbeit fabriziert. Dieses repetitive, manchmal vielleicht unkreative Sticken steht auf den ersten Blick im starken Gegensatz zur Avantgarde und modernen Kunstszene. So fragt man sich, ob die eigene Textilkunst falsch verstanden und vielleicht dem Gegenteil
des Zweckes – nämlich einem feministischen Wutausdruck – dient. Oder ob gerade dieser Gegensatz Fragen aufwirft und Menschen sich von alten Stereotypen und Gedankenzusammenhängen befreien und die Textilkunst als gleichwertiges Medium neben Malerei und Bildhauerei anerkennen können.

Ichbenutze für meine künstlerische Arbeit eine Stickpistole, eine Tufting Gun. Durch das Tuften kreiere ich stoffliche, dreidimensionale Flächen. Diese hängen wie traditionelle Gemälde an der Wand. Ich gebe meiner Wut Ausdruck, ich schieße den Faden mithilfe dieser groben Maschine in den gespannten Stoff und erschaffe durch die Zerstörung der Stoffes etwas Neues.

Mit meiner Arbeit möchte ich auf Machtverhältnisse und andauernden Sexismus aufmerksam machen. Ich möchte, dass Menschen ins Gespräch kommen und dass mehr Frauen wütend werden. Sich Schwestern vereinen und gemeinsam gegen das Patriachat und Gleichberechtigung kämpfen und nicht mehr gegeneinander. Dass Frauen sich nicht gegenseitig ausstechen wollen, um den hart erkämpften Platz als DIE Frau neben vielen weißen Männern zu ergattern. Ich möchte, dass wir erkennen und verinnerlichen, dass es genug Platz für alle Frauen gibt und wir uns verbünden und nicht bekämpfen.

Meine Teppiche können für die Betrachtenden, die sich damit auseinandersetzen, als ein politischer Aufschrei wirken, der Veränderung fordert.